Ärztin untersucht die Gefäße per Ultraschall auf Ablagerungen (Arteriosklerose)

Gefäßverkalkung früh erkennen

Was eine neue Studie zeigt

Mehr als jeder dritte Mann in den 30ern hat bereits Ablagerungen in den Arterien. Ohne Beschwerden und meist ohne es zu wissen. Das zeigt eine neue Studie mit fast 17.000 Erwachsenen.

Prof. Dr. Jakob Ledwoch · Aus der Forschung · 5. Oktober 2026

Was sind Plaques?

Plaques sind Ablagerungen in der Innenwand der Arterien. Sie entstehen, wenn sich LDL-Cholesterin in der Gefäßwand einlagert. Der Körper reagiert darauf mit einer Entzündung: Abwehrzellen nehmen das Cholesterin auf, und um diesen Kern bildet sich mit der Zeit eine Kappe aus Bindegewebe.

  • Langsames Wachstum: Plaques wachsen meist über Jahre und Jahrzehnte, ohne Beschwerden zu machen.
  • Der Kalk kommt später: Erst nach und nach lagert sich Kalk in die Plaque ein. Daher spricht man von Arterienverkalkung, obwohl frühe Plaques noch gar keinen Kalk enthalten.
  • Das eigentliche Risiko: Reißt eine Plaque auf, bildet sich dort ein Blutgerinnsel, das die Arterie plötzlich verschließen kann. Das ist die häufigste Ursache für einen Herzinfarkt und für viele Schlaganfälle. Auch Plaques, die das Gefäß noch kaum einengen, können aufreißen.

Was die Studie zeigt

16.808 Erwachsene zwischen 18 und 70 Jahren ohne bekannte Herzerkrankung, untersucht mit Ultraschall der Gefäße und Computertomographie (CT) der Herzkranzgefäße. Veröffentlicht im August 2026 im New England Journal of Medicine.

Bei 57 % fanden sich bereits Plaques, ohne jede Beschwerde.

  • 18 bis 29 Jahre: 8,7 % der Männer und 6,7 % der Frauen. Etwa jeder 13. junge Erwachsene ist betroffen.
  • 30 bis 39 Jahre: schon 34,6 % der Männer und 21,3 % der Frauen.
  • 40 bis 49 Jahre: bereits 66 % der Männer und 48 % der Frauen.
  • Frauen holen auf: Bei ihnen beginnt die Arteriosklerose 5 bis 10 Jahre später, steigt um die Wechseljahre aber besonders steil an.
  • Selten nur am Herzen: Ablagerungen ausschließlich in den Herzkranzgefäßen hatten höchstens 9,3 % der Männer und 5,0 % der Frauen. Meist zeigen sie sich auch in anderen Arterien, etwa am Hals, wo ein Ultraschall sie ohne Strahlung sichtbar macht.

Warum Risikorechner nicht reichen

Ob jemand vorbeugend behandelt wird, entscheidet heute meist ein Risikorechner wie SCORE2. Er schätzt das Risiko aus Alter, Blutdruck, Cholesterin und Rauchen, sieht aber nicht in die Gefäße.

Von 100 Menschen über 40 mit Plaques stufte SCORE2 weniger als 2 als Hochrisiko ein.

  • Selbst bei Plaques in mehreren Gefäßregionen schlug der Rechner nur bei knapp 4 von 100 an.
  • Kalk-Score null heißt nicht plaquefrei: Von den 30- bis 39-Jährigen mit Plaques in den Herzkranzgefäßen hatten 42 % der Männer und 48 % der Frauen einen Kalk-Score von null. Ihre Ablagerungen waren noch weich und nur im Herz-CT mit Kontrastmittel zu sehen. Was der Unterschied ist, erklärt der Kasten unten.
  • Noch offen: Ob eine Behandlung auf Basis von Ultraschall oder CT mehr Herzinfarkte verhindert, prüft eine große Folgestudie ab 2027.

Kalk oder weiche Plaque: Welche Untersuchung zeigt was?

Eine junge Plaque ist noch weich und besteht vor allem aus Cholesterin und Bindegewebe. Erst mit den Jahren verkalkt sie. Davon hängt ab, mit welcher Untersuchung man sie sieht.

  • Kalk-Score (Herz-CT ohne Kontrastmittel): misst nur den Kalk in den Herzkranzgefäßen. Die Untersuchung dauert wenige Minuten, braucht keinen Zugang in die Vene und kommt mit sehr wenig Strahlung aus. Weiche Plaques sieht sie aber nicht. Ein Kalk-Score von null schließt Plaques deshalb nicht aus, gerade bei Jüngeren.
  • Koronare CT-Angiographie (Herz-CT mit Kontrastmittel): Über eine Vene wird Kontrastmittel gegeben, das die Herzkranzgefäße von innen sichtbar macht. So zeigen sich auch weiche, noch nicht verkalkte Plaques und Engstellen. Die Strahlendosis ist mit modernen Geräten gering.
  • Ultraschall der Halsschlagadern: ohne Strahlung und ohne Kontrastmittel. Er zeigt weiche und verkalkte Plaques in diesen Gefäßen. In der Studie hatten die meisten Menschen mit Plaques am Herzen auch Ablagerungen in anderen Arterien.

Welche Untersuchung bei Ihnen sinnvoll ist, hängt von Alter, Risikoprofil und Fragestellung ab. Mehr dazu unter Koronares Herz-CT und Ultraschall der Halsgefäße.

Für wen eine Untersuchung sinnvoll ist

Einen Ultraschall für alle leitet die Studie noch nicht ab. Im Herz-Check-up klären wir, ob bei Ihnen eine Gefäßuntersuchung weiterhilft.

Eine Abklärung kann sinnvoll sein bei:

  • Herzinfarkt oder Schlaganfall bei nahen Verwandten in jüngeren Jahren
  • erhöhtem LDL-Cholesterin oder Lipoprotein(a)
  • Rauchen, Bluthochdruck oder Diabetes
  • Frauen in den Wechseljahren oder nach Bluthochdruck in der Schwangerschaft (Frauenkardiologie)
  • „mittlerem“ Risiko im Rechner, wenn unklar ist, ob eine Behandlung nötig ist

Finden sich Plaques, kann das die Entscheidung zur Cholesterinsenkung verändern. Finden sich keine, erspart das oft unnötige Medikamente.

Jetzt Herz-Check-up vereinbaren.

Quelle: Bundgaard H et al. Prevalence of Silent Atherosclerosis across Adult Life. N Engl J Med 2026. Zur Studie