Erhöhtes Cholesterin
Ursachen verstehen, Gefäße schützen, Herzinfarkte verhindern
Ein dauerhaft erhöhter Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie) ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall und Atherosklerose.
Bei der Hälfte der Betroffenen mit einem Herzinfarkt bestehen zuvor keine Warnzeichen oder Beschwerden.
Durch eine frühzeitige Abklärung erhöhter Cholesterinwerte können solche Folgekomplikationen vermieden werden. Im Kardiologischen Zentrum München Pasing betrachten wir zudem Cholesterin nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit Ihren Gefäßen, Ihrem Stoffwechsel und Ihrem individuellen Gesamtrisiko.
Warum ein zu hoher Cholesterinspiegel gefährlich ist
Viele Menschen haben erhöhte Cholesterinwerte –etwa 60% der Erwachsenen in Deutschland sind betroffen.
Erhöhtes Cholesterin führt zu Einlagerung von Cholesterinpartikeln in die Gefäßwand (Plaques). Das Gefährliche daran: Betroffene fühlen sich lange gesund. Erst wenn Gefäße stark verengt sind oder Plaques instabil werden, treten Beschwerden oder Herzinfarkt und Schlaganfall auf.
- Studien zeigen: Jede Senkung des LDL-Cholesterins um 40 mg/dl reduziert das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um etwa 20–25 %.
- ApoB spiegelt die tatsächliche Anzahl atherogener Cholesterinpartikel wider.
- Lipoprotein(a) ist genetisch bedingt und kann das Herzinfarktrisiko unabhängig vom LDL-Cholesterin erhöhen. Etwa 20 % der Bevölkerung weisen erhöhte Werte auf.
- Atherosklerose kann verlangsamt werden und ist sogar reversibel, wenn frühzeitig behandelt wird.
Entscheidend ist nicht der Cholesterinwert allein – sondern ob und wie lange er bereits auf Ihre Gefäße wirkt.
Ursachen erhöhter Cholesterinwerte
Ein erhöhter Cholesterinspiegel ist häufig das Ergebnis mehrerer zugrunde liegender Einflussfaktoren.
Lebensstilbedingte Faktoren
- Ungesunde Ernährung (hoher Anteil gesättigter Fettsäuren, stark verarbeitete Lebensmittel)
- Bewegungsmangel
- Viszerales Bauchfett
Genetische Ursachen
- Genetisch bedingte Fettstoffwechselstörungen können wir heute mit einer einfachen Blutdiagnostik sicher erkennen.
Hormonelle & metabolische Faktoren
- Wechseljahre
- Schilddrüsenunterfunktion
- Diabetes
In unserer Praxis sehen wir oft eine Kombination mehrerer Faktoren – genau deshalb funktioniert eine pauschale Behandlung selten optimal.
Moderne Cholesterin-Diagnostik
Wir möchten Ihnen eine klare Empfehlung geben: beobachten, Lebensstil optimieren oder gezielt behandeln.
Zu unserer gezielten Cholesterin-Diagnostik gehören:
- LDL-, HDL-Cholesterin, ApoB und Triglyzeride
- Lipoprotein(a) als wichtiger genetischer Hochrisikofaktor
- Körperzusammensetzung mittels Bioimpendanzanalyse (InBody)
- Ein Ultraschall der Halsschlagadern (Karotis-Sonographie) zur Erfassung früher Gefäßveränderungen
- Bei entsprechender Fragestellung ein Herz-CT zur Beurteilung der Herzkranzgefäße
Cholesterin effektiv mit Lebensstilmaßnahmen senken - individuell, evidenzbasiert und alltagstauglich.
Lebensstilmaßnahmen sind bei erhöhtem Cholesterin keine Ergänzung, sondern ein zentraler Bestandteil der Therapie. Zahlreiche große Studien zeigen, dass gezielte Veränderungen von Ernährung, Bewegung, Gewicht und Schlaf messbare Effekte auf LDL-Cholesterin, Triglyzeride, ApoB und Gefäßgesundheit haben. Entscheidend ist dabei nicht kurzfristiger Verzicht, sondern eine dauerhafte, alltagstaugliche Umsetzung.
Eine herzgesunde Ernährung kann das LDL-Cholesterin um 5–15 % senken.
Besonders wirksam ist eine mediterran orientierte Kost mit:
- hohem Anteil an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten.
- regelmäßigem Fischkonsum (insbesondere fettreiche Seefische mit hohem Omega-3 Anteil).
- hochwertigen pflanzlichen Fetten (z. B. Olivenöl, Nüsse).
Gleichzeitig sollten gesättigte Fettsäuren (z. B. aus fettem Fleisch, Wurst, Butter) sowie industriell verarbeitete Lebensmittel reduziert werden.
Nicht allein das Körpergewicht, sondern vor allem viszerales Bauchfett ist eng mit hohen Cholesterinwerten verknüpft.
Bereits eine moderate Gewichtsreduktion von 5–10 % des Ausgangsgewichts kann Cholesterin und Triglyzeride deutlich verbessern und Entzündungsprozesse reduzieren. Ziel ist dabei der Erhalt von Muskelmasse bei gleichzeitiger Reduktion stoffwechselaktiver Fettdepots, um Jojo-Effekte beim Gewicht zu verhindern.
Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich nachweislich positiv auf den Cholesterinspiegel und die Gefäßfunktion aus.
Studien zeigen, dass Bewegung:
- Triglyzeridwerte um 20–30 % senken kann
- Cholesterin um 5-10% reduzieren kann
Empfohlen wird eine Kombination aus Ausdauertraining sowie regelmäßigem Krafttraining. Wichtig ist eine individuell angepasste Intensität (aerobe Schwelle mittels Laktattest) – insbesondere bei bestehenden Herz- oder Gefäßerkrankungen.
Lebensstilmaßnahmen entfalten ihre größte Wirkung in Kombination mit einer medikamentösen Therapie, wenn diese notwendig ist.
Sie können die erforderliche Medikamentendosis reduzieren, Nebenwirkungen minimieren und die langfristige Wirksamkeit der Behandlung deutlich verbessern.
Medikamentöse Therapie zur Cholesterinsenkung
Medikamente kommen bei uns nur dann zum Einsatz, wenn sie das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall nachweislich senken – nicht allein aufgrund einzelner Laborwerte.
Wir entscheiden individuell, ob, wann und in welcher Intensität Medikamente sinnvoll sind.
Sollten Nebenwirkungen auftreten, entwickeln wir individuelle Alternativen, etwa durch Dosisänderungen, Kombinationstherapien oder begleitende Maßnahmen wie Coenzym-Q10.
Je nach Risikoprofil und Ausgangswerten setzen wir verschiedene Therapieoptionen ein.
- Statine senken das LDL um 30–60 % und reduzieren Herzinfarkt und Schlaganfall.
- Ezetimib oder Bempedoinsäure ermöglichen zusätzliche LDL-Senkung um 15–25 %.
- PCSK9-Hemmer können LDL-Werte um bis zu 60 % reduzieren.
„Ihr Cholesterin von heute entscheidet über Ihre Gefäße von morgen. Wir klären Ihr Risiko rechtzeitig ab.“
Dr. Vera Schneider
Häufige Fragen zu Cholesterin und Fettstoffwechsel im Kardiologisches Zentrum München Pasing
Ab wann spricht man von zu hohen Cholesterinwerten und Triglyzeriden?
Ein Gesamtcholesterin über 200mg/dl gilt als erhöht. Bei den Triglyzeriden beginnen erhöhte Werten ab 150mg/dl.
Muss man erhöhte Werte immer behandeln?
Nein, eine Behandlung ist nicht in jedem Fall notwendig. Tatsächlich zeigen mehrere große Studien, dass bei Menschen ohne Gefäßveränderungen und ohne erhöhtes kardiovaskuläres Risiko eine medikamentöse Senkung des Cholesterins keinen relevanten gesundheitlichen Vorteil bringt. Deshalb lehnen wir die reflexartige pauschale Verschreibung von Medikamenten ab und beurteilen stattdessen zusätzlichen zu den Blutwerten auch den Zustand Ihrer Gefäße und beraten Sie anschließend im Detail über die Notwendigkeit zur Behandlung.
Kann ich erhöhte Cholesterinwerte und erhöhte Triglyzeride natürlich senken?
Mit gezielter Ernährungsumstellung und Sport kann man zu einem gewissen Teil Cholesterin natürlich senken, insbesondere die Triglyzeride reagieren auf Lebensstilmaßnahmen. Bei sehr hohen Werten oder bereits deutlich veränderten Gefäßen ist meistens auch eine zusätzliche Medikation notwendig. Wir wählen aber Wirkstoffe und Dosierungen, die meistens keine Nebenwirkungen verursachen.
Wie wird Cholesterin genau untersucht?
Wir gehen über die Standarddiagnostik hinaus. Neben LDL und HDL bestimmen wir auch ApoB, Lipoprotein(a) und Homocystein. Damit erhalten wir ein sehr präzises Bild Ihres individuellen Gefäßrisikos und können gezielt entscheiden, wie Sie optimal geschützt werden.