Podcast: Herzgesundheit neu gedacht
Zu Gast bei der Süddeutschen Zeitung
Moderne Herzmedizin beginnt lange vor den ersten Beschwerden. Darüber haben wir im Podcast der Süddeutschen Zeitung gesprochen.
Dr. Vera Schneider und Prof. Dr. Jakob Ledwoch · Presse und Medien · 14. Juli 2026
Worum es im Podcast geht
Dr. Vera Schneider und Prof. Dr. Jakob Ledwoch sprechen darüber, warum gute Herzmedizin nicht erst bei Beschwerden ansetzt.
Die Themen:
- Warum moderne Herzmedizin lange vor den ersten Beschwerden beginnt
- Wie Vorbeugung Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern kann
- Warum Frauenherzen besondere Aufmerksamkeit brauchen
Warum Vorbeugung so viel bringt
Die meisten Herzinfarkte und Schlaganfälle haben Ursachen, die sich messen und behandeln lassen, oft Jahrzehnte bevor Beschwerden auftreten. Das zeigen große Studien mit Hunderttausenden Menschen.
Fünf messbare Risikofaktoren erklären mehr als die Hälfte aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Herzinfarkt: In einer Studie mit rund 30.000 Menschen aus 52 Ländern erklärten beeinflussbare Faktoren 90 % des Infarktrisikos bei Männern und 94 % bei Frauen.
- Fünf Faktoren dominieren: In einer Auswertung von 1,5 Millionen Menschen aus 34 Ländern waren Blutdruck, Cholesterin, Übergewicht, Rauchen und Diabetes die dominierenden Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, allen voran der Blutdruck.
- Blutdruck: Jede Senkung des oberen Werts um 10 mmHg verringert schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um etwa 20 %.
- Cholesterin: Jede Senkung des LDL-Cholesterins um rund 40 mg/dl verringert schwere Gefäßereignisse um etwa 22 %.
- So gehen wir vor: Im Herz-Check-up messen wir Blutdruck, Blutfette einschließlich Lipoprotein(a) und Blutzucker und erfassen Familiengeschichte und Lebensstil. Wo es sinnvoll ist, untersuchen wir Herz und Gefäße zusätzlich mit Ultraschall oder Herz-CT. So entsteht ein genaues Bild Ihres persönlichen Risikos.
- Das bringt es für Ihr Herz: Wer seine Risikofaktoren kennt, kann sie gezielt behandeln, oft schon durch Änderungen im Alltag, wenn nötig mit Medikamenten. Zielwerte für Blutdruck und LDL legen wir gemeinsam fest und kontrollieren sie regelmäßig. Je früher das beginnt, desto mehr profitieren Herz und Gefäße.
Mehr dazu unter Prävention und Longevity und im Herz-Check-up.
Warum Frauenherzen anders sind
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind auch bei Frauen die häufigste Todesursache in Deutschland. Trotzdem werden Warnzeichen bei Frauen häufiger übersehen, und frauenspezifische Risiken bleiben oft unberücksichtigt.
Mehr als jede zweite junge Frau, die vor ihrem Herzinfarkt ärztlichen Rat suchte, hörte: Das kommt nicht vom Herzen.
- Warnzeichen werden übersehen: In einer Studie mit fast 3.000 Infarktpatienten unter 55 Jahren hatten Frauen im Vergleich zu Männern deutlich häufiger atypische Herz-Beschwerden wie Übelkeit, Magenbeschwerden oder Schmerzen in Kiefer, Hals und Schulter. Wer in der Woche davor ärztlichen Rat gesucht hatte, hörte als Frau in mehr als der Hälfte der Fälle, es sei nicht das Herz.
- Schwangerschaft als Frühwarnzeichen: Bei einer Präeklampsie, früher Schwangerschaftsvergiftung genannt, steigt in der zweiten Schwangerschaftshälfte der Blutdruck stark an, oft zusammen mit Eiweiß im Urin. Nach der Geburt normalisiert sich das meist, doch das spätere Risiko für eine koronare Herzkrankheit bleibt etwa doppelt so hoch, für Bluthochdruck fast vierfach. Auch ein Schwangerschaftsdiabetes verdoppelt das spätere Herz-Kreislauf-Risiko.
- Frühe Wechseljahre: Beginnt die Menopause vor dem 40. Lebensjahr, steigt das Herz-Kreislauf-Risiko um 55 %, bei Wechseljahren zwischen 40 und 44 Jahren um 30 %. Das zeigen Daten von über 300.000 Frauen.
- Nach den Wechseljahren steigen Blutdruck und LDL-Cholesterin bei vielen Frauen deutlich an.
- So gehen wir vor: In der Frauenkardiologie fragen wir gezielt nach Schwangerschaftskomplikationen, Wechseljahren und hormonellen Einflüssen und beziehen sie in die Bewertung Ihres Risikos ein. Beschwerden klären wir auch dann gründlich ab, wenn sie nicht dem typischen Bild entsprechen.
- Das bringt es für Ihr Herz: Frauenspezifische Risiken lassen sich so oft Jahre vor einer Herzerkrankung erkennen und gezielt behandeln, etwa ein steigender Blutdruck oder ein erhöhtes Cholesterin nach den Wechseljahren.
Mehr dazu unter Frauenkardiologie.
Quellen: Global Cardiovascular Risk Consortium, N Engl J Med 2023;389:1273–1285. Yusuf S et al., Lancet 2004;364:937–952. Ettehad D et al., Lancet 2016;387:957–967. Cholesterol Treatment Trialists’ Collaboration, Lancet 2010;376:1670–1681. Lichtman JH et al., Circulation 2018;137:781–790. Bellamy L et al., BMJ 2007;335:974. Kramer CK et al., Diabetologia 2019;62:905–914. Zhu D et al., Lancet Public Health 2019;4:e553–e564.