Voller Saal beim SZ-Tag der Gesundheit: Dr. Vera Schneider hält ihren Vortrag „Herz ist nicht gleich Herz“

Frauenherz: Vortrag beim SZ-Tag der Gesundheit

Herz ist nicht gleich Herz

Frauenherzen schlagen anders, erkranken anders und senden andere Signale. Darüber hat Dr. Vera Schneider beim Tag der Gesundheit der Süddeutschen Zeitung gesprochen.

Dr. Vera Schneider · Veranstaltungen · 17. Oktober 2026

Worum es im Vortrag ging

Am 17. Oktober 2026 hat die Süddeutsche Zeitung zum Tag der Gesundheit in ihr Hochhaus in München eingeladen. In ihrem Vortrag „Herz ist nicht gleich Herz“ hat Dr. Vera Schneider, Kardiologin mit Schwerpunkt Frauenkardiologie in unserer Praxis, erklärt, warum das Herz einer Frau eigene Aufmerksamkeit braucht. An unserem Stand konnten Besucherinnen und Besucher ihre Körperzusammensetzung per Bioimpedanz messen lassen. Herzlichen Dank für die vielen Fragen und Gespräche.

Die Themen:

  • Wie Schwangerschaft und Wechseljahre das Herz verändern
  • Warum Herzprobleme bei Frauen oft spät erkannt werden
  • Was Sie selbst für Ihr Herz tun können

Todesursache Nummer 1 bei Frauen: das Herz

Das Frauenherz ist nicht besser geschützt. Es wird nur später krank.

Fast zehnmal so viele Frauen sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie an Brustkrebs.

  • Die Zahlen: In Deutschland sterben jedes Jahr rund 179.000 Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, an Brustkrebs sind es rund 18.500.
  • Später, aber nicht seltener: Frauen erkranken im Schnitt später als Männer. Nach den Wechseljahren holen sie aber auf, im höheren Alter ist der Unterschied fast verschwunden.

Ein Frauenherz durchlebt Lebensphasen

Das Herz eines Mannes altert recht gleichmäßig. Das Herz einer Frau durchläuft Phasen, die jeweils eigene Risiken mit sich bringen.

  • Schwangerschaft: Neun Monate lang muss das Herz rund 50 % mehr Blut pumpen, Tag und Nacht. Die meisten Herzen schaffen das gut. Treten aber eine Präeklampsie, ein Schwangerschaftshochdruck oder ein Schwangerschaftsdiabetes auf, ist das ein Warnsignal. Nach der Geburt normalisieren sich die Werte meist wieder, doch das Risiko für eine spätere Herzerkrankung bleibt etwa doppelt so hoch, auch Jahrzehnte später. Ihre Schwangerschaftsgeschichte ist deshalb auch Ihre Herzgeschichte.
  • Wechseljahre: Hier passieren vier Dinge, leise und oft gleichzeitig. Das Bauchfett nimmt zu. Das Östrogen sinkt, damit lässt sein natürlicher Schutz für die Gefäße nach. Das LDL-Cholesterin steigt. Und der Blutdruck steigt, auch weil die Gefäße steifer werden. Spüren kann man das nicht, messen schon.
  • Aus der Praxis: Eine Patientin, 54, sagte beim ersten Termin: „Blutdruck? Den hatte ich mein Leben lang eher zu niedrig.“ Unsere Messung an diesem Tag: 148/91 mmHg.

Warum Herzprobleme bei Frauen oft übersehen werden

Beschwerden werden als Stress abgetan, Frauen holen später Hilfe, und vieles in der Herzmedizin wurde vor allem an Männern erprobt.

4 von 10 Frauen spüren beim Herzinfarkt keinen typischen Brustschmerz.

  • Der Herzinfarkt ist oft leiser: In einer US-Auswertung von über einer Million Herzinfarkten hatten 42 % der Frauen keinen Brustschmerz. Stattdessen traten oft Atemnot, Übelkeit, kalter Schweiß, Schmerzen in Rücken oder Bauch und eine ungewöhnliche Müdigkeit auf, nicht selten schon Wochen vorher. Gehen Sie bei solchen Beschwerden frühzeitig zum Arzt, bei plötzlichen starken Beschwerden wählen Sie den Notruf 112.
  • Frauen holen später Hilfe: In einer Studie aus Zürich riefen Frauen beim Herzinfarkt im Schnitt 37 Minuten später Hilfe als Männer. Im Krankenhaus sterben in Deutschland von 100 Frauen mit schwerem Herzinfarkt 14, bei Männern sind es 10.
  • „Das sind bestimmt die Nerven“: Bei Menschen mit anfallsartigem Herzrasen wird jeder Zweite zunächst falsch diagnostiziert, meist als Panik, Angst oder Stress. Frauen trifft diese Fehldiagnose doppelt so oft wie Männer. Bis zur richtigen Diagnose vergehen im Schnitt rund drei Jahre.
  • Medizin nach Männermaß: Nur gut ein Drittel der Teilnehmenden in Herzstudien sind Frauen. Dabei wirken manche Herzmedikamente bei Frauen schon in niedrigerer Dosis, und ein Diabetes erhöht das Herzrisiko bei Frauen stärker als bei Männern.

Aus der Praxis: Herzrasen, das niemand fand

Eine Patientin, 52, hatte seit zwei Jahren Anfälle von Herzrasen. Irgendwann dachte sie selbst, sie bilde sich das ein.

  • Beschwerden: Anfälle von Herzrasen, plötzlich da und plötzlich wieder weg. Das EKG beim Arzt war jedes Mal normal, denn der Anfall war dann schon vorbei.
  • Einschätzung: Stress, Panikattacken, Wechseljahre. Die Empfehlung lautete: Entspannung.
  • Lösung: Bei uns haben wir vereinbart: Beim nächsten Anfall sofort ein EKG mit der Smartwatch. Darauf zeigte sich eine typische, gut behandelbare Rhythmusstörung. Nach einem kleinen Eingriff mit dem Katheter ist sie heute beschwerdefrei.

Mehr dazu, wie wir Aufzeichnungen der Smartwatch auswerten.

So gehen wir in der Frauenkardiologie vor

Über 90 % der Herzinfarkte gehen auf Risikofaktoren zurück, die man beeinflussen kann. Bei Frauen sind es sogar 94 %.

  • Zuhören: Wir nehmen uns Zeit für ein ausführliches Gespräch und fragen auch nach Schwangerschaften und Wechseljahren.
  • Gezielt untersuchen: Ultraschall von Herz und Halsschlagader, Belastungstest und bei Bedarf ein Herz-CT.
  • Bewerten: Daraus entsteht Ihr persönliches Risikoprofil, inklusive der frauenspezifischen Faktoren.
  • Begleiten: Gemeinsam legen wir einen konkreten Plan für Vorbeugung und Behandlung fest.

Und die Männer?

Auch für sie hatte Dr. Vera Schneider eine Botschaft: In einer großen Auswertung von 34 Studien hatten verheiratete Männer ein rund 30 % geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Unverheiratete. Also, liebe Männer: Hören Sie auf Ihre Partnerin. Und wenn sie sagt, Sie sollen zum Herz-Check-up, erst recht.

Drei Dinge zum Mitnehmen

Schenken Sie Ihrem Herzen etwas Aufmerksamkeit zurück.

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Todesursache Nummer 1 bei Frauen. Vorsorge heißt deshalb auch: Herz.
  • Frauenherzen sprechen oft leiser. Nehmen Sie Müdigkeit, Atemnot, Übelkeit und Rückenschmerzen ernst.
  • Gute Medizin schaut auf Ihr Geschlecht. Schwangerschaft, Wechseljahre und Hormone gehören in jedes Herzgespräch.

Mehr dazu unter Frauenkardiologie.

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Fotos: Jens Hartmann / Süddeutsche Zeitung